Von ITER zur Krebsbehandlung

Cosylab, eine Ausgründung des Jožef Stefan Instituts, einer slowenischen Forschungseinrichtung, die zu EUROfusion gehört, entstand im Jahr 2001. Sieben Physikstudenten hatten gerade ein sehr komplexes Steuerungssystem für ANKA, die Angströmquelle Karlsruhe, erfolgreich implementiert und beschlossen nach dem gelungenen Abschluss des Projekts ein Start-up zu gründen – Cosylab war geboren. Heute ist das Unternehmen ein führender Partner für Software-Engineering beim Aufbau komplexer Maschineninfrastruktur weltweit.

Spezielle Software für komplexe Geräte

Das slowenische Start-up sammelte Know-how, das für verschiedene große wissenschaftliche Projekte von Nutzen ist, unter anderem für Teilchenbeschleuniger, Therapiegeräte mit Ionenstrahlen und Tokamaks. Allen diesen Anlagen ist gemeinsam, dass sie über stark dezentralisierte Computernetzwerke gesteuert werden. Ein gewöhnliches Softwareunternehmen wäre nicht in der Lage, eine derart komplexe Computerinfrastruktur einzurichten. „Das System muss eine Vielzahl sehr schwieriger Aufgaben zuverlässig ausführen können, von der Echtzeit-Prozesssteuerung über die Bedienerschnittstelle bis hin zur Erfassung und Speicherung großer Datenmengen“, sagt Rok Šabjan, Gründungsmitglied von Cosylab. Cosylab weiß genau, wie man die richtige Software in spezielle Anlagen wie ANKA und ähnliche Projekte integriert. Und genau dieses Fachwissen hat sich zum Baubeginn von ITER als nützlich erwiesen. Die ITER Organisation vergab den Auftrag zur Einrichtung der ersten Version von CODAC (Control, Data Access and Communication), dem grundlegenden Steuerungsprogramm von ITER an Cosylab. Dies bereitete den Boden für die Weiterentwicklung des Systems. Bis heute leistet Cosylab Unterstützung bei regelmäßigen CODAC-Updates und führt Schulungen für ITER-Mitarbeiter durch.

Der Weg von Tokamaks zur Medizintechnik

Cosylab hat seine Tätigkeiten außerdem auf einen zweiten Industriesektor ausgeweitet: Steuerungssysteme und Support für medizinische Geräte. Teilchenbeschleuniger zum Beispiel, das ursprüngliche Interessengebiet von Cosylab, werden auch in der Medizin eingesetzt und zwar zur Behandlung von Krebs. Protonen- und Kohlenstoff-Ionen-Therapiegeräte beschleunigen einen Partikelstrahl und leiten ihn sehr genau in den Tumor ein. Diese Art der Behandlung wird Protonen-, Ionen- oder einfach nur Partikeltherapie genannt. Im medizinischen Bereich muss der Hersteller nachweisen, dass seine Maschine gemäß den zutreffenden Normen und Vorschriften sicher und effektiv arbeitet. „Diese unterscheiden sich von denen, die für ITER gelten, sind einander letztendlich aber ziemlich ähnlich, da es sich in beiden Fällen um hochgradig integrierte Systeme handelt“, ergänzt Šabjan. Cosylab hat heute nicht mehr viel mit dem studentischen Start-up von damals gemein. Derzeit unterhält das Unternehmen Niederlassungen in Japan, den USA, China und Schweden und beschäftigt insgesamt 170 Mitarbeiter.

Ja, es war viel Arbeit und manchmal war sie sehr kniffelig – aber nur so konnten wir wachsen und beständig dazulernen. So mussten wir uns zum Beispiel Verwaltungskenntnisse aneignen und lernen, wie man große Projekte managt. Die Lektionen, die uns das ITER-Projekt gelehrt hat, haben uns übrigens perfekt auf die Arbeit im medizinischen Bereich vorbereitet.

Rok Šabjan