Wann werden wir Fusion als Energiequelle nutzen?

Ich erinnere mich, dass bereits vor 50 Jahren darüber gesprochen wurde. Aber noch immer wurde kein einziger Kernreaktor durch einen Fusionsreaktor ersetzt. Woran liegt das?

Ein Grund war die unterschätzte Schwierigkeit, hunderte Millionen Grad Celsius zu erzeugen und zu kontrollieren. Es hat sich gezeigt, dass es weitaus einfacher ist, die hohen Temperaturen zu erzeugen, als das Plasma zu kontrollieren. Mittlerweile haben wir ausgeklügelte Magnetfeldsteuerungs- und Feedbackmechanismen entwickelt, mit denen wir das Plasma bei den für die Fusion erforderlichen Temperaturen sehr wohl steuern können.

Die Experten haben darüber hinaus stetige Fortschritte bei den Zielparametern Wärme, Dichte und Einschlusszeit gemacht. 1997 wurde in JET 16 Megawatt Fusionsenergie freigesetzt, was etwa 65 % der externen Heizleistung entspricht. Durch die Extrapolation des Ansatzes „Evolution statt Revolution“ sind wir heute zuversichtlich, dass ITER, die Anlage der nächsten Generation, kontrolliert Fusionsenergie erzeugen wird.

Infolgedessen liegt das Augenmerk nun vor allem auf den technologischen Herausforderungen. Dabei geht es zum Beispiel um die Auswahl der Materialien, die der Hitze brennender Plasmen ausgesetzt sind. Diese Fragen wurden bisher kaum berücksichtigt. ITER wird auf globaler Ebene politisch unterstützt und soll innerhalb von zehn Jahren aufgebaut werden. Nach einer technischen Vorbereitungsphase, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, erwarten wir die ersten brennenden Plasmen in der Mitte der zwanziger Jahre.

Solch ein Projekt ist jedoch extrem komplex, sodass es bis zur Fertigstellung – selbst wenn alles reibungslos abläuft – einige Jahre dauern wird. Danach wird es noch etwa 20 Jahre der Feinabstimmung benötigen, um die Technologie von der Forschung in die Industrie zu übertragen.